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Vorrat & Haltbarkeit

Lebensmittelmotten bekämpfen: der 10-Wochen-Plan

Eine Dörrobstmotte legt bis zu 300 Eier, die nächste Generation ist nach 30 bis 75 Tagen da. Wer nur die Falter jagt, hat sie wenige Wochen später wieder. So wird der Befall gefunden und der Vorrat gerettet, ganz ohne Insektenspray.

Von Redaktion 8 Min. Lesezeit

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Regalboden mit Bügelgläsern und Schraubgläsern voller Müsli, Haferflocken, Nudeln, Cornflakes und Mehl
Foto: Filmbetrachter / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Lebensmittelmotten bekämpfen heißt: befallene Vorräte wegwerfen, den Schrank gründlich reinigen und die Larven in Ritzen und Ecken aufspüren, danach etwa zehn Wochen lang nachkontrollieren. Der lange Zeitraum hat einen biologischen Grund. Eine Mottengeneration braucht nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) 30 bis 75 Tage vom Ei zum Falter, und Eier in einer Fuge überstehen jede einzelne Putzaktion.

Ein Hinweis vorab: Befallene Lebensmittel sind laut UBA nicht mehr zum Verzehr geeignet. Kot und Gespinste der Larven sowie eingeschleppte Pilze oder Milben können Allergien, Hautreaktionen oder Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Aussieben oder Erhitzen macht solche Vorräte nicht wieder genießbar.

Welche Motten in der Küche vorkommen

Motten in der Küche sind fast immer eine von zwei Arten: die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella) oder die Mehlmotte (Ephestia kuehniella). Beide sind nach UBA rund 1 cm groß, mit bis zu 2 cm Flügelspannweite. In Ruhe liegen die Flügel eng am Körper, an der Wand sieht der Falter dann wie ein kurzer Strich aus. Die Dörrobstmotte erkennt man an den zweifarbigen Vorderflügeln: innen hellgrau bis ockergelb, außen kupferfarben mit dunklen Querbinden, so beschreibt sie das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Den Schaden richten nur die Larven an. Die Falter fressen nichts, sie leben 10 bis 14 Tage und legen in dieser Zeit ihre Eier.

StadiumGrößeWoran zu erkennenWo zu finden
Eica. 0,5 mmweiß, zitronenförmig, mit bloßem Auge kaum sichtbaram oder im Lebensmittel, in Verpackungsfalten
Larvebis 17 mmweißlich bis gelbgrün, rotbrauner Kopf, glänzendim Vorrat, später wandernd an Wänden
Puppeca. 7 mmhellbrauner Kokon in dichtem GespinstRitzen, Bohrlöcher, Ecke Wand/Decke
Falter8–10 mmsitzt tagsüber still an der Wand, fliegt abendsKüche und Nachbarräume

Maße für die Dörrobstmotte nach Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

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Woher die Motten kommen

Die meisten Lebensmittelmotten werden eingekauft. Das UBA nennt als häufigsten Weg Lebensmittel oder Verpackungen, an oder in denen schon Eier und Larven sitzen: Mehl, Müsli, Reis, Gewürze, Tee, Nüsse, Schokolade, Trockenobst, Tiertrockenfutter, Pappkartons. Durch das offene Fenster kommen sie viel seltener. Ein Befall hat deshalb nichts mit einer schmutzigen Küche zu tun.

Wie die Larven in geschlossene Packungen gelangen, erklärt das Julius Kühn-Institut (JKI), das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen. Die Falter legen ihre Eier dort ab, wo der Duft von Getreide oder Nüssen aus Ritzen strömt. Die frisch geschlüpften, winzigen Larven kriechen dann durch nicht ganz dichte Siegelnähte oder die Löcher einer Perforationslinie in Beutel und Faltschachteln. Mit ihren Mundwerkzeugen können sie Verpackungen außerdem durchlöchern, schreibt das UBA.

Was befallen wird und was nicht

Bei der Kontrolle hilft die Liste des JKI. Sie spart Zeit, weil ein Teil des Schranks gar nicht durchsucht werden muss.

GruppeBeispiele
Getreide und GetreideprodukteMehl, Grieß, Haferflocken, Müsli, Nudeln, Kekse
Nüsse und SamenMandeln, Sonnenblumenkerne, Nussschokolade
GetrocknetesTrockenobst, Trockengemüse, getrocknete Pilze
Tee und GewürzeKräuter- und Früchtetee, Gewürze
HülsenfrüchteBohnen, Erbsen
TierfutterTrockenfutter für Hund und Katze
In der Regel nicht befallenÖl, Zucker, Salz, schwarzer Tee, gerösteter Kaffee, stark Geräuchertes

Die ersten sechs Zeilen gelten nach JKI, UBA und Verbraucherzentrale Hamburg als gefährdet, die letzte kann bei der Suche übersprungen werden. Tierfutter wird leicht vergessen, wenn es im Flur oder Keller steht.

Lebensmittelmotten bekämpfen in fünf Schritten

Die Reihenfolge ist wichtig. Wer zuerst Fallen aufstellt und erst Tage später den Schrank ausräumt, gibt den Larven Zeit zum Auswandern.

  1. Vorrat durchsehen. Jede Packung öffnen und auf Gespinstfäden, verklumpte Körner, Larven und Löcher prüfen. Auch benachbarte Schränke und das Tierfutter kontrollieren. Eine Lupe hilft bei Mehl und Gewürzen.
  2. Befallenes entsorgen. Die Verbraucherzentrale NRW rät, es direkt in die Mülltonne außerhalb der Wohnung zu bringen. Wer die Tonne nicht sofort erreicht, verschließt den Beutel luftdicht und friert ihn ein bis zwei Tage ein (UBA). Auf den Kompost gehört befallene Ware nicht.
  3. Schrank leeren und reinigen. Ausräumen, Krümel und Fugen aussaugen, mit Essigwasser auswischen und trocken nachwischen.
  4. Ritzen erhitzen. Bohrlöcher der Regalträger, Fugen und Schrankecken mit dem Föhn erwärmen, um Eier und Larven abzutöten. Das empfiehlt das UBA. Ein Merkblatt der Umweltorganisation PAN Germany ergänzt: Die Flächen müssen hitzebeständig sein, und der Föhn braucht genug Abstand, damit er nicht überhitzt.
  5. Wanderlarven suchen. Das ist der Schritt, der am häufigsten fehlt. Ausgewachsene Larven verlassen den Vorrat und verpuppen sich in einem Gespinst, laut JKI oft oben in der Ecke zwischen Wand und Zimmerdecke. Werden sie nicht restlos entfernt, schlüpfen neue Falter und legen erneut 300 bis 500 Eier. Also Leiter holen, Deckenecken, Fensterrahmen, Rückwände und Leisten absuchen und alles absaugen.

Der Zeitplan: warum es zehn Wochen dauert

Ein Rechenbeispiel zeigt, warum ein einziger Putztag nicht reicht. Angenommen, am Putztag sitzt in einer Fuge ein Gelege, das der Föhn nicht erreicht hat. Bei 30 Tagen Entwicklungszeit, dem schnellsten Wert des UBA, fliegt der erste neue Falter nach gut vier Wochen. Bei 75 Tagen ist es knapp elf Wochen später so weit. Ein Kontrollzeitraum von zehn Wochen deckt also den größten Teil dieser Spanne ab. Auch die Schlupfwespen-Kärtchen sind auf etwa zehn Wochen ausgelegt.

ZeitpunktWas zu tun ist
Tag 1Vorrat sichten, Befallenes entsorgen, Schrank reinigen, Ritzen föhnen, Larven suchen
Tag 1Gesunde Vorräte in dichte Gläser umfüllen, mehrere Pheromonfallen an verschiedenen Stellen aufstellen
Woche 2Schrank erneut aussaugen und mit Essigwasser wischen, Fallen ansehen
Woche 4Dritte Reinigung, Wand- und Deckenecken erneut absuchen
Woche 6Vierte Reinigung, Gläser auf Gespinste prüfen
Woche 10Keine neuen Falter in der Falle: Befall beendet. Sonst Fachbetrieb fragen

Den Zwei-Wochen-Rhythmus beim Wischen nennt das Infoblatt von PAN Germany, das auch das UBA zum Download anbietet. Zu viel Feuchtigkeit sollte dabei nicht im Schrank bleiben, denn Motten entwickeln sich in feucht-warmem Klima besser. Gründlich trocken nachwischen ist deshalb Teil jeder Reinigung.

Was gegen Lebensmittelmotten hilft und was nicht

MittelWirkungEinordnung
Entsorgen und Reinigenentfernt Larven, Eier und FutterquelleGrundlage, ersetzt durch nichts
Föhn in Ritzentötet Eier und Larven in Fugenvom UBA empfohlen
Einfrieren bei −18 °Ctötet alle Stadiennur vorbeugend für Verdachtsware
Pheromonfallefängt einen Teil der Männchenzeigt Befall an, beseitigt ihn nicht
Schlupfwespenparasitieren Eier und Larvenbei hartnäckigem Befall
Lavendel, Lorbeer, NelkenDuft soll Falter abhaltenhöchstens vorbeugend, tötet nichts
InsektensprayNervengift, Rückstände in der RaumluftUBA und Verbraucherzentralen raten ab

Pheromonfallen

Die Klebefallen locken mit dem Sexuallockstoff der Weibchen paarungsbereite Männchen an. Nach dem JKI fangen sie nur einen Teil der Männchen und sind zur Bekämpfung nicht geeignet. Sie zeigen aber, wo der Herd liegt und ob nach der Reinigung noch Falter schlüpfen. Das UBA empfiehlt mehrere Fallen an verschiedenen Stellen, etwa in Vorratsschrank und Speisekammer, und sie nach der Bekämpfung stehen zu lassen.

Schlupfwespen

Die Nützlinge werden auf Kärtchen geliefert und in den Schrank gelegt. Trichogramma evanescens, etwa 0,4 mm groß, legt ihre Eier in die Motteneier, die daraufhin absterben. Das UBA empfiehlt, gleichzeitig Bracon hebetor einzusetzen, eine Art, die die Larvenstadien befällt. Die Kärtchen werden über rund zehn Wochen drei- bis viermal erneuert. Für Menschen und Haustiere sind die Tiere laut UBA weder gefährlich noch lästig. Finden sie keine Motteneier mehr, verschwinden sie von selbst.

Einfrieren und Erhitzen

Bei den Zeiten gehen die Angaben auseinander. Das UBA nennt für Tiertrockenfutter mindestens 24 Stunden bei −18 °C, alternativ eine Stunde bei 60 °C im Backofen. Das JKI rät, Ware mit wenig Wasser vorbeugend ein bis zwei Tage einzufrieren, damit Eier auf der Verpackung absterben. PAN Germany nennt eine Woche bei −18 °C, um alle Stadien sicher abzutöten. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt den längsten Wert. Gemeint sind in jedem Fall Vorräte, die nur im Verdacht stehen. Was schon Gespinste enthält, wird durch Frost nicht wieder essbar.

Damit die Motten nicht zurückkommen

Das JKI fasst die Lagerung in vier Wörtern zusammen: kurz, kühl, trocken, insektendicht. Daraus lässt sich eine Checkliste für die Küche ableiten.

  • Packungen schon im Laden auf Löcher, Fraßmehl und Gespinste prüfen.
  • Zu Hause Mehl, Müsli, Nüsse und Tee in Gläser mit Schraubgewinde oder Gummidichtung umfüllen. Reguläre Blechdosen sind nach JKI meist nicht insektendicht, dünne Folien halten Larven laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg nicht auf.
  • Durchsichtige Gläser bevorzugen. Gespinste und Larven fallen darin sofort auf, schreibt die Verbraucherzentrale NRW.
  • Kleine Mengen kaufen und ältere Vorräte zuerst verbrauchen.
  • Den Vorratsschrank nicht neben Herd, Backofen oder Kühlschrank stellen. Unter 18 °C wird die Entwicklung der Dörrobstmotte laut Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg gehemmt, das UBA nennt maximal 18 °C für Speisekammer oder Keller.
  • Nüsse nach Empfehlung des JKI im Kühlschrank lagern.
  • Kein Schrankpapier verwenden, Ritzen abdichten.
  • Fliegengitter an Küchenfenstern anbringen.

Zur Frage, ob Lebensmittelmotten durch Schraubgläser kommen: Ein gut schließendes Glas mit intaktem Gewinde ist dicht. Insektendichte Verpackungen haben nach JKI Öffnungen von weniger als 0,15 mm. Problematisch sind Gläser mit beschädigter Dichtung oder schlecht sitzendem Deckel.

Wann ein Fachbetrieb sinnvoll ist

Kehren die Motten nach zehn Wochen sorgfältiger Arbeit immer wieder, steckt der Herd oft außerhalb des Schranks: in einer Deckenverkleidung, hinter einer Sockelleiste oder in vergessenem Tierfutter. Das UBA rät, sich dann vor dem Einsatz von Bioziden fachlich beraten zu lassen. Adressen nennen der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband und der Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung. Von Insektensprays aus dem Handel rät die Verbraucherzentrale Hamburg ab: Rückstände dieser Nervengifte können lange in Wohnräumen bleiben, was gerade für Babys und Kleinkinder ein unnötiges Risiko ist.

Häufige Fragen

Warum kommen Lebensmittelmotten immer wieder?

Meist wurden die Wanderlarven übersehen, die sich außerhalb des Vorrats verpuppt haben, oder der Schrank wurde nur einmal gereinigt. Ein anderer häufiger Grund ist neu eingekaufte, schon befallene Ware.

Wo ist das Nest von Lebensmittelmotten?

Ein Nest im engeren Sinn gibt es nicht. Der Herd ist das zuerst befallene Lebensmittel, oft eine selten genutzte Packung ganz hinten im Schrank. Puppen sitzen in Ritzen, Bohrlöchern und in Wand- und Deckenecken.

Muss alles weggeworfen werden?

Nein. Entsorgt wird, was Gespinste, Larven oder Löcher zeigt. Ungeöffnete Konserven, Öl, Zucker und Salz sind kaum gefährdet. Verdächtige, aber unauffällige trockene Ware lässt sich vorbeugend einfrieren und danach in dichten Gläsern weiter beobachten.

Welcher Geruch schreckt Lebensmittelmotten ab?

PAN Germany nennt Lavendel, Nelken, Zedernholz, Pfefferminze und Lorbeer. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg rät dagegen, im Bereich von Lebensmitteln auf intensive Geruchsstoffe zu verzichten. Gegen einen bestehenden Befall hilft kein Duft.

Fazit

Gegen Lebensmittelmotten reichen in den meisten Küchen Staubsauger, Essigwasser, Föhn und ein paar dichte Gläser. Den Unterschied macht die Ausdauer: alle zwei Wochen wiederholen, Deckenecken nach Puppen absuchen und die Pheromonfalle zehn Wochen lang beobachten. Schlupfwespen sind eine gute Ergänzung, wenn der Befall groß ist. Insektenspray gehört nicht in den Vorratsschrank.

Quellen

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