Direkt zum Inhalt
Herdfunk

Küchenausstattung

Dörrautomat im Test: Welche Bauart taugt wofür?

Turm mit Gebläse im Boden oder Kasten mit Lüfter an der Rückwand? Für das Ergebnis zählt die Bauart mehr als die Wattzahl. Ein Vergleich mit Herstellerdaten, Stromrechnung, Temperaturtabelle und einem Selbsttest für zu Hause.

Von Redaktion 9 Min. Lesezeit

Rezept weitergeben
Viele getrocknete, gewellte Apfelscheiben als Haufen, in der Mitte und oben links frisch halbierte Äpfel mit rot-gelber Schale
Foto: congerdesign / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Wer Dörrautomaten im Test vergleicht, sollte zuerst auf die Bauart schauen: Rundgeräte blasen die Warmluft von unten durch gestapelte Gitter, Kastengeräte von der Rückwand quer über die Einschübe. Beide Typen arbeiten mit etwa 540 bis 600 Watt Heizleistung und kosten bei 37,3 Cent je Kilowattstunde höchstens gut 2 Euro Strom pro zehnstündigem Durchgang.

Hinweis zur Lebensmittelsicherheit: Fleisch für Trockenfleisch (Jerky) muss im Kern 71 °C erreichen, damit Krankheitserreger wie E. coli O157:H7 abgetötet werden. Das empfiehlt das National Center for Home Food Preservation (NCHFP) der University of Georgia. Manche Haushaltsgeräte, etwa der Dörrex, regeln nur bis 70 °C. Jerky wird deshalb vor oder nach dem Dörren zusätzlich erhitzt, wie weiter unten beschrieben.

Zwei Bauarten: Turm oder Kasten

Ein Dörrautomat besteht aus Heizelement, Ventilator und Lüftungsöffnungen. Das NCHFP unterscheidet zwei Grundtypen. Beim Turm sitzen Heizung und Gebläse im Sockel, die Luft steigt senkrecht durch die Gitter und tritt oben am Deckel aus. Beim Kasten sitzen beide an der Seite oder Rückwand, die Luft strömt waagerecht über jeden Einschub.

Das hat praktische Folgen. Im Turm tropft Saft von oben auf die unteren Gitter und im ungünstigen Fall ins Heizteil, und Gerüche wandern nach oben weiter. Der Kasten verteilt die Wärme gleichmäßiger auf alle Ebenen, und Zwiebeln können neben Äpfeln trocknen, ohne dass die Äpfel nach Zwiebel schmecken. Der Turm braucht dafür wenig Stellfläche und lässt sich mit zusätzlichen Gittern erweitern, beim Dörrex auf bis zu zehn.

Heizung + Gebläse Turm: Luft von unten nach oben Heizung + Gebläse Kasten: Luft von hinten nach vorn
Luftführung im Rundgerät und im Kastengerät. Grafik: Redaktion

Vergleich mit zwei Beispielgeräten

Die Tabelle stellt je ein typisches Gerät beider Bauarten nach Herstellerangaben gegenüber: den Schweizer Dörrex von Stöckli als Turm und den Excalibur Performance Digital mit sechs Einschüben als Kasten. Die Modelle stehen hier für ihre Bauart und sind keine Kaufempfehlung.

MerkmalTurm (Stöckli Dörrex mit Timer)Kasten (Excalibur, 6 Einschübe)
Luftstromsenkrecht, Gebläse im Sockelwaagerecht, Gebläse hinten
Heizleistung540 W (Lüfter allein 13 W)600 W
Temperaturbereichbis 70 °C, stufenlos29 bis 74 °C (85 bis 165 °F)
Timerbis 12 hbis 80 h, zwei Phasen
Gitter3 im Lieferumfang, bis 10 stapelbar6 Edelstahl-Einschübe
Maße/FlächeØ 33,5 cm, Höhe 27,5 cmca. 0,89 m² Trockenfläche (9,6 sq ft)
Gitter umsetzenab 5 Gittern empfohlenlaut Hersteller nicht nötig

Auffällig ist der Timer. Zwölf Stunden reichen für Apfelringe, aber nicht für halbierte Aprikosen, die laut Dörrex-Anleitung 10 bis 18 Stunden brauchen. Das NCHFP rät zu einem Timer, weil Dörrgut oft nachts fertig wird und sonst zu dunkel trocknet.

Anzeige

Anzeigenplatz für Küchengeräte, Kochzubehör und Lebensmittel.

Mediadaten

Dörrautomat aus Edelstahl oder Kunststoff?

Auf das Trocknungsergebnis hat das Gittermaterial kaum Einfluss. Unterschiede gibt es bei Haltbarkeit, Reinigung und beim Gefühl, was mit dem Lebensmittel in Kontakt kommt. Stöckli fertigt seine Kunststoffgitter aus Polypropylen und gibt sie nur bis 50 bis 55 °C für die Spülmaschine frei. Das gilt auch für die Metallgitter des Dörrex, weil sie einen Kunststoffrahmen haben. Excalibur bezeichnet seine Einschübe aus Edelstahl ohne Temperaturgrenze als spülmaschinenfest.

Zur Sorge um Bisphenol A: Die Verordnung (EU) 2024/3190 verbietet BPA und weitere gefährliche Bisphenole in Lebensmittelkontaktmaterialien aus Kunststoff, Silikon, Gummi, Lacken und Klebstoffen. Die allgemeine Übergangsfrist ist nach Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat am 20. Juli 2026 abgelaufen. Neu in Verkehr gebrachte Kunststoffgitter dürfen damit kein BPA mehr enthalten, die Aufschrift „BPA-frei“ beschreibt seither den gesetzlichen Normalfall. Für einzelne Anwendungen ohne geeignete Alternative gelten längere Fristen bis Januar 2028.

Holz als Gehäusematerial rät das NCHFP ab: Es ist brandgefährlich und schwer zu reinigen. Empfohlen werden ein doppelwandiges Gehäuse aus Metall oder hochwertigem Kunststoff und ein geschlossenes, abgedecktes Heizelement.

Kaufkriterien als Checkliste

Die folgenden Punkte stützen sich auf die Ausstattungsliste des NCHFP und die Anleitungen der Hersteller. Wer sie vor dem Kauf abhakt, braucht keinen Testsieger.

  • Thermostat mit Skala von rund 30 °C bis mindestens 70 °C. Kräuter brauchen 35 bis 46 °C, Obst und Gemüse 60 °C.
  • Timer mit Abschaltung, möglichst über 12 Stunden hinaus, wenn Steinobst oder Jerky geplant sind.
  • Geschlossenes Heizelement und doppelwandiges Gehäuse.
  • Genug Fläche: Das NCHFP rechnet mit rund 1,1 m² Trockenfläche (12 sq ft) für einen halben Bushel Erntegut, ein US-Hohlmaß von rund 17,6 Litern. Gestapelte Rundgeräte lassen sich nachrüsten.
  • Zubehör für flüssiges Dörrgut: Silikoneinlage oder Folie für Fruchtleder, damit nichts ins Gehäuse tropft.
  • Distanzringe oder herausnehmbare Einschübe für voluminöses Dörrgut wie Kräuterbüschel oder Joghurtgläser.
  • Ersatzgitter und Reparaturservice, Garantie: Stöckli gibt für den Dörrex mit Timer fünf Jahre.

Stromverbrauch: Rechenbeispiel pro Durchgang

Ein Dörrautomat heizt nicht durchgehend. Das Thermostat schaltet die Heizung zu und ab, der Lüfter läuft weiter. Stöckli nennt für den Dörrex 13 Watt im Lüfterbetrieb und 540 Watt bei eingeschalteter Heizung, den tatsächlichen Verbrauch könne man wegen Raumtemperatur, Gitteranzahl und eingestellter Temperatur nicht genau angeben. Damit lässt sich die Spanne eingrenzen.

Grundlage ist der Durchschnittspreis für Haushaltsstrom von 37,3 Cent je Kilowattstunde laut BDEW-Strompreisanalyse (Stand Oktober 2026).

Szenario (10 Stunden)LeistungEnergieKosten
Dörrex, Heizung durchgehend an540 W5,4 kWh2,01 €
Dörrex, nur Lüfter13 W0,13 kWh0,05 €
Excalibur, Volllast600 W6,0 kWh2,24 €

Rechenweg für die erste Zeile: Die 540 Watt sind laut Stöckli der Gesamtbedarf bei eingeschalteter Heizung, also 540 W × 10 h = 5.400 Wh = 5,4 kWh; 5,4 kWh × 0,373 €/kWh = 2,01 €. Der reale Wert liegt dazwischen, weil die Heizung taktet. Ein Durchgang kostet also meist deutlich weniger als 2 Euro, in einem kalten Raum entsprechend mehr.

Dörrautomat oder Backofen?

Der Backofen ist zum Dörren nur ein Notbehelf, schreibt der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege in seinem Merkblatt zum Obsttrocknen. Niedrige Temperaturen um 30 °C lassen sich kaum einstellen, der Energieaufwand ist deutlich höher, und die Feuchtigkeit zieht schlecht ab. Ohne einen Holzlöffel in der Ofentür dünstet das Obst im eigenen Saft.

Für gelegentliche Mengen reicht der Ofen trotzdem. Das Hessische VerbraucherFenster empfiehlt dafür Umluft, eine leicht geöffnete Ofenklappe und ein Backthermometer zur Kontrolle. Wer jeden Herbst Äpfel, Pilze und Kräuter aus dem Garten verarbeitet, spart mit einem Dörrautomaten Strom und Nerven.

Temperaturen: Was Hersteller und Fachstellen empfehlen

Bei der Temperatur gehen die Empfehlungen auseinander. Die Dörrex-Anleitung nennt für die meisten Obstsorten 70 °C, das NCHFP 60 °C, das bayerische Merkblatt 30 bis 50 °C, um Vitamine zu schonen. Höhere Temperaturen trocknen schneller und drängen Keime früher zurück, niedrigere erhalten mehr Inhaltsstoffe.

DörrgutDörrex-AnleitungFachstelleDauer (Dörrex)
Apfelscheiben 8 mm70 °C30–50 °C (Bayern)6–8 h
Aprikosen halbiert70 °C40–50 °C (Bayern)10–18 h
Bananen70 °C40–50 °C (Bayern)8–12 h
Pilze50 °Ckeine Angabe2–6 h
Kräuter40 °C35–46 °C (NCHFP)2–6 h
Fruchtlederkeine Angabe60 °C (NCHFP)bis Mitte trocken
Jerky (Rind)60–70 °C60 °C + Kern 71 °C (NCHFP)6–12 h

Ein brauchbarer Mittelweg für Obst liegt bei 50 bis 60 °C. Feuchtes, fleischiges Dörrgut verträgt laut bayerischem Merkblatt höhere Temperaturen als dünne, trockene Stücke.

Dörrautomat-Rezepte: die Grundlagen

Apfelchips und Obst

Säuerliche Äpfel ergeben laut bayerischem Merkblatt das aromatischste Trockenobst. Kerngehäuse entfernen, mit Schale in 5 bis 10 mm dicke Ringe schneiden und nebeneinander auslegen. Kurz in Zitronenwasser getaucht, bleiben die Scheiben heller. Am Ende wiegt das Dörrgut laut Stöckli nur noch 15 bis 30 Prozent des Frischgewichts, aus 1 kg geputzten Äpfeln werden also 150 bis 300 g Apfelchips.

Gemüsechips und Suppengemüse

Bohnen, Erbsen, Möhren und Lauch werden vor dem Dörren kurz blanchiert, so das Hessische VerbraucherFenster. Für knusprige Chips aus Sellerie oder Möhren nennt Stöckli 1 mm dünne Scheiben. Kohlrabi, Kohl, Lauch und Möhren in feinen Streifen ergeben bei 60 °C nach 6 bis 8 Stunden ein Suppengemüse.

Fruchtleder

Für eine Platte von 33 × 38 cm reichen nach NCHFP-Rezept zwei Tassen Fruchtpüree, bei hellem Obst mit 2 TL Zitronensaft gegen Braunwerden. Bei 60 °C trocknen, bis in der Mitte kein Fingerabdruck mehr bleibt. Brombeeren trocknen als ganze Frucht schlecht, püriert lassen sie sich wie Himbeeren laut Hessischem VerbraucherFenster gut zu Fruchtleder verarbeiten.

Jerky sicher herstellen

Das NCHFP beschreibt zwei Wege zu den nötigen 71 °C im Kern. Entweder die höchstens 6 mm dicken, mageren Fleischstreifen vor dem Dörren 5 Minuten in der Marinade kochen. Oder die fertig getrockneten Streifen 10 Minuten im auf 135 °C vorgeheizten Backofen nachheizen. Schweine- und Wildfleisch vorher zusätzlich mindestens 30 Tage bei −18 °C einfrieren, um Trichinen abzutöten. Fertiges Jerky hält verschlossen etwa zwei Wochen bei Raumtemperatur, länger nur im Kühlschrank oder Gefrierfach.

Kräuter

Kräuter einlagig auf die Gitter legen und bei 35 bis 46 °C dörren, bei hoher Luftfeuchte bis 52 °C. Nach ein bis vier Stunden zerbröseln die Blätter und die Stängel brechen. Getrocknete Kräuter schmecken laut NCHFP drei- bis viermal kräftiger als frische, im Rezept reicht ein Viertel bis ein Drittel der Frischmenge. Stark riechende Kräuter im Turmgerät nicht zusammen mit Obst trocknen.

Nicht in den Dörrautomaten gehören Avocados, fette Wurst, fettreicher Fisch, Eier und Milch. Fett wird ranzig, und unsachgemäß getrocknete Eier sind laut Hessischem VerbraucherFenster ein hohes Gesundheitsrisiko.

Selbsttest für das eigene Gerät

Ob ein Dörrautomat hält, was die Skala verspricht, lässt sich zu Hause mit wenig Aufwand prüfen.

  1. Temperatur messen: Gerät leer auf 60 °C stellen, nach 30 Minuten ein Backthermometer zwischen mittleres und oberstes Gitter schieben. Abweichungen von mehr als 5 °C bei Jerky und Kräutern berücksichtigen.
  2. Gleichmäßigkeit prüfen: Jedes Gitter mit gleich dicken Apfelscheiben belegen und nach 6 Stunden vergleichen. Sind die unteren Scheiben deutlich trockener, muss man beim Turm die Gitter umsetzen, wie es Stöckli ab fünf Gittern empfiehlt.
  3. Restfeuchte kontrollieren: Abgekühltes Obst locker in ein Glas füllen, verschließen und 7 bis 10 Tage täglich schütteln. Beschlägt das Glas, zurück ins Gerät. Das NCHFP nennt diesen Schritt Konditionieren.
  4. Schnittprobe nach einer Woche: Ein Stück durchschneiden. Bilden sich an der Schnittkante Tröpfchen, war das Dörrgut nicht trocken genug.

Lagerung und Haltbarkeit

Selbst gedörrtes Obst hat nach NCHFP etwa 20 Prozent Restfeuchte, Gemüse etwa 10 Prozent und ist dann spröde. Das Hessische VerbraucherFenster nennt unter 15 Prozent als Ziel für lange Haltbarkeit. Gelagert wird in dichten Gläsern oder Gefrierbeuteln, kühl, trocken und dunkel. Stoffsäckchen sind ungünstig, weil die Dörrobstmotte dort Eier ablegen kann.

Die meisten Trockenfrüchte halten nach NCHFP bei 16 °C ein Jahr, bei 27 °C sechs Monate. Gemüse etwa halb so lange. Weiße Zuckerkristalle auf sehr süßen Früchten sind laut bayerischem Merkblatt kein Schimmel. Pelziger Belag dagegen schon, solche Stücke gehören in den Müll.

Häufige Fragen

Ist ein Dörrautomat ein Stromfresser?

Nein. Selbst bei durchgehender Heizung kostet ein zehnstündiger Durchgang mit einem 540-Watt-Gerät etwa 2 Euro, weil das Thermostat taktet, meist deutlich weniger.

Wie viel Watt muss ein guter Dörrautomat haben?

Die Beispielgeräte haben 540 und 600 Watt Heizleistung. Wichtiger als die Wattzahl ist ein Thermostat, das die eingestellte Temperatur hält.

Wie heiß wird ein Dörrautomat?

Je nach Modell bis etwa 70 bis 74 °C. Für Kräuter reichen 35 bis 46 °C, für Obst und Gemüse 50 bis 60 °C.

Kann man Kohlrabi im Dörrautomaten dörren?

Ja. In feine Streifen geschnitten und kurz blanchiert trocknet Kohlrabi bei 60 °C in 6 bis 8 Stunden, gut als Teil eines Suppengemüses.

Fazit

Wer vor allem Apfelringe, Kräuter und Pilze aus dem Garten trocknen will, ist mit einem Rundgerät mit Thermostat und Timer gut bedient und setzt bei fünf und mehr Gittern zwischendurch um. Wer große Mengen, verschiedene Sorten gleichzeitig oder regelmäßig Jerky verarbeitet, sollte zum Kastengerät mit waagerechtem Luftstrom und längerem Timer greifen. Edelstahlgitter sind robuster, für neue Kunststoffgitter gilt seit Juli 2026 ohnehin das BPA-Verbot. Vor dem ersten großen Durchgang lohnt der Selbsttest mit Thermometer und Apfelscheiben.

Quellen

Rezept weitergeben

Weiter in Küchenausstattung